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| Infektiologie > Tropenerkrankungen > Erkrankungen durch Viren > Erkrankungen durch Arboviren |
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Gelbfieber
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| Einleitung | ||
Synonym |
gelbes Fieber |
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historisch „Vómito negro" / „schwarzes Erbrechen" (nach dem kaffeesatzartigen Bluterbrechen); |
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Englisch |
Yellow fever (YF) |
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ICD10 |
A95.0 Buschgelbfieber (sylvatisch) |
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A95.1 urbanes Gelbfieber |
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A95.9 Gelbfieber, nicht näher bezeichnet. |
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Definition |
kute, durch Stechmücken übertragene virale Zoonose (virales hämorrhagisches Fieber), verursacht durch das Gelbfiebervirus, ein Flavivirus. Charakteristisch sind ein häufig biphasischer Verlauf und in der schweren „toxischen" Phase Ikterus, Leber- und Nierenversagen sowie hämorrhagische Diathese. Der Name bezieht sich auf den Ikterus durch die Leberbeteiligung. |
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Klassifikationen |
Einteilung v. a. nach Übertragungszyklus:
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Klinisch nach Schweregrad: abortiv/mild → moderat → schwer (toxische Phase). |
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| Epidemiologie | ||
Inzidenz |
Endemisch in tropischen Regionen; die WHO schätzte historisch grob bis zu ~200.000 Erkrankungen und ~30.000 Todesfälle pro Jahr (Großteil in Afrika), bei erheblicher Untererfassung. In den Amerikas kam es von Ende 2024 bis Anfang 2025 zu einem deutlichen Wiederaufflammen über den klassischen Amazonas-Fokus hinaus (u. a. Ausbruch in Tolima/Kolumbien). |
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Prävalenz |
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Alter |
Alle Altersgruppen; schwere Verläufe und Letalität nehmen mit dem Alter zu. |
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Häufigkeitsgipfel |
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Geschlecht |
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Ethnologie |
Keine ethnische Prädisposition; Verteilung folgt Geografie und Vektorökologie (tropisches Afrika, ~34 Länder; Zentral-/Südamerika, ~13 Länder). Bemerkenswert: in Asien bislang keine autochthone Übertragung, obwohl kompetente Aedes-aegypti-Vektoren vorhanden sind. |
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Infektionswege |
Aedes-aegypti-Vektor |
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| Pathologie | ||
Ätiologie |
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Erreger |
Gelbfiebervirus (Genus Orthoflavivirus, Familie Flaviviridae); umhülltes einzelsträngiges (+)-RNA-Virus. Übertragung durch infizierte Stechmücken. Keine direkte Mensch-zu-Mensch-Übertragung außerhalb des Vektors. |
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Risikofaktoren |
Fehlender Impfschutz; Aufenthalt/Reise in Endemiegebiete; Tätigkeiten mit Mückenexposition (Land-, Forst-, Feldarbeit); hohe Vektordichte in Regenzeit; Urbanisierung und Ausbreitung von Aedes aegypti. Begünstigend auf Ausbruchsebene: niedrige Durchimpfung, Entwaldung, Klimafaktoren. |
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Vererbung |
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Pathogenese |
Nach Inokulation Virusreplikation in lokalen Lymphknoten, dann Virämie mit Befall v. a. der Leber, ferner Niere, Herz und Lymphgewebe. Hepatozytenschädigung führt zu Gerinnungsstörung (verminderte Synthese von Gerinnungsfaktoren) und Ikterus; renale Tubulusschädigung zu Nierenversagen; systemische Entzündungsreaktion und Endothelschädigung begünstigen Schock und Hämorrhagien (DIC). |
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Makroskopie |
Leber vergrößert, gelblich; Nieren geschwollen; petechiale Blutungen in Haut und Schleimhäuten; gastrointestinale Blutungen. |
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Mikroskopie |
Typisch midzonale (mediozonale) Leberzellnekrose mit relativ geringer Entzündungsreaktion, Councilman-(Councilman-Rocha-Lima-)Körperchen (apoptotische/eosinophile Hepatozyten) sowie mikrovesikuläre Verfettung; an der Niere akute Tubulusnekrose. |
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| Diagnostik und Workup | ||
Kriterien |
Klinisches Bild (fieberhafte Erkrankung ± Ikterus/Hämorrhagie) + passende Reise-/Expositionsanamnese + labordiagnostischer Nachweis (Virus-RNA oder spezifische Antikörper) |
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Diagnostik |
Kombination aus direktem Erregernachweis (früh) und Serologie (später), plus Labor zur Organbeteiligung. Bei Verdacht sofortige stationäre Einweisung in eine Klinik mit tropenmedizinischer und intensivmedizinischer Kompetenz. |
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Körperliche Untersuchung |
Fieber; relative Bradykardie bei hohem Fieber (Faget-Zeichen); Ikterus; konjunktivale/faziale Rötung; in der toxischen Phase Blutungszeichen (Zahnfleisch, Nase, kaffeesatzartiges Erbrechen, Meläna), Oligurie. |
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Bildgebung |
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Blut |
Deutlich erhöhte Transaminasen (AST oft > ALT), Hyperbilirubinämie; Leukopenie; Thrombopenie; Gerinnungsstörung (verlängerte PT/INR, erniedrigte Faktoren); Kreatinin-/Harnstoffanstieg; metabolische Azidose bei schwerem Verlauf. |
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Erregerdiagnostik: RT-PCR in der frühen virämischen Phase; IgM-Nachweis (MAC-ELISA) ab ~Tag 5–7 (Kreuzreaktivität mit anderen Flaviviren und nach Impfung beachten; Bestätigung via Neutralisationstest/PRNT). |
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Weitere Diagnostik |
Diagnostik in Speziallaboren der Sicherheitsstufe (Erreger der Risikogruppe 3 |
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Nachsorge |
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Meldepflicht |
In Deutschland namentliche Meldepflicht: Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod als virusbedingtes hämorrhagisches Fieber gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. g IfSG sowie Erregernachweis (Gelbfiebervirus) gemäß § 7 Abs. 1 IfSG. Zusätzlich unverzügliche Übermittlung des „Auftretens" gemäß § 12 IfSG (WHO-/IGV-relevant). Tätigkeits-/Besuchsregelungen in Gemeinschaftseinrichtungen nach §§ 33/34 IfSG. |
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Pränataldiagnostik |
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| Symptome und Befunde | ||
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ach Inkubation von ~3–6 Tagen oft asymptomatischer oder milder, unspezifischer fieberhafter Verlauf. Klassisch dreiphasig: |
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Infektionsphase |
(1) |
(1) Infektionsphase – plötzliches Fieber, Kopf-/Rücken-/Gliederschmerzen, Übelkeit, Faget-Zeichen, Virämie |
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Remission |
(2) |
kurze Besserung (Stunden bis ~1–2 Tage) |
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Toxische Phase |
(3) |
(bei einem Teil der Erkrankten) – Wiederanstieg des Fiebers, Ikterus, Blutungen (Zahnfleisch, Nase, kaffeesatzartiges Erbrechen, Meläna), Nierenversagen, Kreislaufinstabilität. |
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| Verlauf und Prognose | ||
Stadien |
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Verlauf |
Mehrheitlich mild/selbstlimitierend. Ein Teil der symptomatischen Fälle geht in die toxische Phase über; diese ist mit hoher Letalität behaftet. |
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Komplikationen |
Akutes Leberversagen, akutes Nierenversagen, disseminierte intravasale Gerinnung, Myokarditis, Schock, sekundäre bakterielle Infektionen, Tod. |
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Prognose |
Milde Verläufe heilen folgenlos aus. Die toxische Phase hat eine hohe Sterblichkeit (in Fallserien häufig ~20–50 %), altersabhängig ansteigend. Überlebende erholen sich meist vollständig; von einer belastbaren, i. d. R. lebenslangen Immunität nach durchgemachter Infektion ist auszugehen. |
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Prophylaxe |
Schutzimpfung mit dem attenuierten Lebendimpfstamm 17D ab dem Alter von 9 Monaten – laut WHO-Empfehlung (seit 2016) genügt eine Einmaldosis für lebenslangen Schutz (Auffrischung für die meisten Reisenden nicht mehr erforderlich; Einzelfälle beachten). Impfung nur durch autorisierte Gelbfieber-Impfstellen; internationaler Impfnachweis (ICVP) für die Einreise in bestimmte Länder erforderlich. |
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Kontraindikationen/Vorsicht: relevante Immunsuppression, Säuglinge < 6 Monate, Thymuserkrankungen, schwere Hühnereiweißallergie; besondere Abwägung bei Alter > 60 Jahren, Schwangerschaft und Stillzeit. |
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Ergänzend Vektorschutz (Repellenzien, Moskitonetze, lange Kleidung) und Vektorkontrolle; auf Public-Health-Ebene die |
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WHO-EYE-Strategie (2017–2026) inkl. fraktionierter Impfdosen im Ausbruchsfall. |
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| Differentialdiagnosen | ||
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Andere virale hämorrhagische Fieber
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schwere Malaria (P. falciparum) |
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Virale Hepatitiden |
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andere Arbovirosen (Zika, Chikungunya, Oropouche) |
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| Therapien | ||
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Keine spezifische antivirale Therapie. |
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Behandlung rein supportiv/intensivmedizinisch: Volumen- und Kreislaufmanagement, Korrektur von Gerinnungsstörungen, Nierenersatzverfahren bei Nierenversagen, Behandlung von Blutungen und Sekundärinfektionen, symptomatische Fieber-/Schmerztherapie (ASS/NSAR wegen Blutungsrisiko meiden). |
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Zentrale Bedeutung von Prävention (Impfung) und Vektorkontrolle. |
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| Referenzen | ||
Lehrbuch |
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Reviews |
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Studien |
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Leitlinien |
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Links |
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Adressen |
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| Editorial | ||
Autor |
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Erstellt |
03.08.2026 |
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Reviewer |
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Linker |
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Status |
RELEASED |
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Licence |
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